Dieser Blog präsentiert eine Auswahl verschiedener Texte von mir. Die Herangehensweise ist multilingual und interdisziplinär. Die Themen sind international und betreffen vor allem Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik und soziale Aspekte.
Viel Vergnügen! - JJB -

Ce blog rassemble une séléction de mes textes. L'approche est plurilingue et interdisciplinaire. Les sujets sont internationaux et concernent notamment la durabilité, l'économie, la politique et certains aspects sociaux. Bonne lecture! - JJB -

Wednesday, September 28, 2016

Energie im "Garden State" New Jersey

Von JJB

Kürzlich wurde an dieser Stelle bereits auf die Energiepolitik im US-Bundesstaat New York eingegangen. Nun sollen auch einige der Nachbarstaaten einmal näher beleuchtet werden.

Besonders interessant ist dabei unter anderem der Bundesstaat New Jersey, bekannt auch unter dem Beinamen "The Garden State". In der Tat ist die Landwirtschaft traditionell ein wichtiger Wirtschaftszweig in New Jersey, wenngleich sie seit einigen Jahren zunehmend auch mit Problemen konfrontiert ist, wie zum Beispiel steigende Grundstückspreise.

Siegel des Bundesstaats New Jersey. Die beiden Figuren sind eine Allegorie auf die Freiheit (links) und Ceres (rechts), die römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit. Auch die drei Pflüge in der Mitte des Siegels zollen der landwirtschaftlichen Tradition des Bundesstaates Respekt. Quelle: Offizielle Homepage des Bundesstaats New Jersey


Vielleicht hat es auch mit diesen Problemen zu tun, dass die Solarkraft in New Jersey wesentlich weiter vorangeschritten ist als beim Nachbarstaat New York (ähnliche Effekte sind auch in Deutschland und Europa zu beobachten, wo zahlreiche Landwirte auf Erneuerbare Energien als zusätzliche Verdienstquelle setzen).

Ausbau der Erneuerbaren Energien in New Jersey - zu schnell oder zu langsam?

In jedem Fall hat sich die Anzahl installierter Photovoltaik-Anlagen seit 2010 stark erhöht, von mehreren zehn MW pro Jahr auf mehrere hundert MW pro Jahr. Dieser Anstieg wurde sogar als so stark erachtet, dass einige der Subventionen bereits stark abgesenkt oder gestoppt wurden.

Laut der amerikanischen Solar Energy Industries Association waren im Jahre 2015 immerhin 1,8 GW an Photovoltaikanlagen in New Jersey installiert (davon übrigens über 1,4 GW gewerblich und weniger als 0,4 GW im Haushaltsbereich) - und zusätzliche 1,9 GW werden in den nächsten 5 Jahren erwartet. Dementsprechend dürfte die Gesamtkapazität in New Jersey zum Ende des Jahres 2020 dann knapp 4 GW betragen, etwa gleichauf mit dem Nachbarstaat New York.
Sicher, in diesem Zukunftsszenario beliefe sich New Jerseys Photovoltaik im Jahr 2020 weiterhin nur auf ein Zehntel der in Deutschland bereits 2014 installierten Photovoltaik-Kapazität; jedoch ist bei diesem Vergleich auch zu bedenken, dass Deutschland mit seinen Photovoltaikinstallationen international eher eine Ausnahme darstellt, und außerdem wesentlich mehr Strom verbraucht als New Jersey.

Laut dem im vorigen Artikel bereits genannten Informationsportal, welches sich wie erwähnt auf das Jahr 2015 zu berufen scheint, hatte die Photovoltaik einen Anteil von 2% an der Stromerzeugung.
Allerdings waren Wind- und Wasserkraft gänzlich abwesend, so dass der Gesamtanteil der Erneuerbaren in New Jersey mit 3% nicht höher, sondern niedriger war als die stolzen ca. 20% des Bundesstaats New York. Im selben Jahr betrug der Anteil der Kohle 2% und der Kernkraftanteil 20%, während der Hauptanteil der Stromerzeugung New Jerseys mit 75% bei Gaskraftwerken lag.

New Jersey besitzt ein Zertifikatesystem, welches Stromversorger dazu verpflichtet, einen gewissen Teil der Stromlieferungen durch Erneuerbare Energien abzudecken (oder sich ansonsten durch Strafzahlungen - "alternative compliance payments" - freizukaufen). Dieses System sieht ab 2014 einen Erneuerbaren-Anteil von über 10% vor, der bis 2020/21 sogar auf 22,5% steigen soll. Demzufolge wäre der genannte Erneuerbaren-Anteil von 3% deutlich zu niedrig für die Zwischenziele des Bundesstaates New Jersey. Eine andere US-Quelle auf Bundesniveau (die später, im Artikel über Connecticut und Pennsylvania detaillierter besprochen werden soll) spricht im Falle New Jerseys übrigens eher von einem Erneuerbaren-Anteil von knapp 6%, was jedoch auch noch zu niedrig wäre. Ein Blick auf die Compliance-Berichte New Jerseys zeigt allerdings, dass die Strafzahlungen der Stromversorger für zu niedrige Erneuerbaren-Anteil meist vernachlässigbar gering waren. Diese Diskrepanz ließe sich unter anderem durch veraltete Zahlen in den obengenannten Quellen erklären, doch spielt es wohl durchaus auch eine Rolle, dass Grünstromzertifikate auch für Eigenverbrauch vergeben werden, also für Erneuerbaren-Strom, den die Endverbraucher lokal erzeugen und direkt verbrauchen. Diese Option reduziert, ebenso wie der zeitversetzte Eigenverbrauch ("net metering"), die Stromrechnung der Verbraucher und könnte erklären, dass nicht jede Stromerzeugung von Erneuerbaren Energien auch in den Marktstatistiken des Bundesstaates New Jersey erfasst wird.
Insofern könnte der wahre Erneuerbaren-Anteil in New Jersey tatsächlich eher bei circa 10% liegen. Dennoch ist leicht vorstellbar, dass die Abwesenheit einer klaren, leicht auffindbaren, eindeutigen Referenz für den kontinuierlichen Fortschritt des Erneuerbaren-Ausbaus in New Jersey nicht eben zuträglich ist für die energiestrategische Planung der verschiedenen privatwirtschaftlichen und politischen Akteure.

Doch eine neue Reform, die möglicherweise auch die Ausbauziele klarer nachvollziehbar werden lassen könnte, ist bereits in Arbeit.
Im März 2016 wurde in New Jersey ein Gesetzesvorschlag diskutiert, demzufolge in dem Bundesstaat der Erneuerbaren-Anteil an der Stromversorgung bis 2050 80% betragen soll. Um dies zu erreichen, soll sichergestellt werden, dass der Erneuerbaren-Anteil alle 5 Jahre um 10 Prozentpunkte steigt - basierend auf der Hypothese einer Ausgangslage von 11% im Jahr 2017. In ersten parlamentarischen Gremien fand dieser Gesetzesvorschlag breite Unterstützung, jedoch bleibt seine endgültige Verabschiedung noch abzuwarten (zumal ein ähnlicher Vorschlag 2015 ebenfalls die ersten parlamentarischen Hürden überwunden hatte, dann aber letztlich an mangelnder Unterstützung scheiterte).
Auch im Oktober 2016 befindet sich dieser Gesetzesvorschlag, ebenso wie mehrere andere energiepolitische Vorschläge, die neben Erneuerbaren auch Kohle und Gas betreffen, weiterhin im Gesetzgebungsverfahren.

Fazit und Ausblick

Zusätzlich zu diesen großen politischen Zielsetzungen wären noch viele weitere Faktoren in Erwägung zu ziehen, um die Machbarkeit der energiepolitischen Strategien zu überprüfen, vor allem in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit von Energieinvestionen. Hierfür müsste der derzeitige Stand und die zukünftige Entwicklung von Faktoren wie Staatsbeihilfen, technologischer Fortschritt, Rohstoffpreise, Kapitalkosten und Endverbraucher-Energiepreise abgeschätzt werden.
Eine solche detaillierte Darstellung des jeweiligen Entwicklungspotenzials verschiedener Energietechnologien, samt Rentabilitätsberechnung, kann im Rahmen dieses Blogs nicht erstellt werden, da es die vorhandenen Zeitressourcen deutlich übersteigen würde (wie bereits im Blogbeitrag zur Energie im Bundesstaat New York erwähnt). In dieser Blogserie soll lediglich die energiepolitische Ausgangslage der verschiedenen Bundesstaaten umrissen werden, um weitergehende Vergleiche und standortübergreifende Diskussionen zu erleichtern und anzuregen.

Am Beispiel New Jerseys jedenfalls wird einerseits deutlich, dass schon die energiepolitische Zielsetzung problematisch sein kann, wie die langjährige Diskussion im Gesetzgebungsverfahren zum zukünftigen Erneuerbaren-Ausbau zeigt. Und andererseits wird ebenfalls deutlich, dass es nochmals schwieriger ist, in der Praxis den konkreten Erneuerbaren-Ausbau so zu steuern wie es die energiepolitischen Ziele (sofern vorhanden und für alle Akteure hinreichend eindeutig und langfristig verlässlich) vorgeben. Diese Probleme existieren ebenfalls in der Energiepolitik europäischer Länder... Ebenso wie gewisse, auf beiden Seiten des Atlantiks kontrovers diskutierte Fragen - etwa die Frage, wie der Boom der Photovoltaik in der ersten Hälfte des 2010er Jahrzehnts zu bewerten sei.
Es bleibt zu hoffen, dass der Dialog und der Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Standorten beitragen zu einer schrittweisen Lösung dieser Probleme der energiepolitischen Steuerung.

Sunday, June 19, 2016

Renewables reach "only" 82% in Germany

By JJB

Several well-known news sources, such as Bloomberg and The Guardian, announced last month that electricity from renewable energy sources (RES-E) had reached the remarkable level of 100% of power consumption in Germany during some hours on Pentecost Sunday, 15 May 2016.

To be more accurate, let us have a look at what they said in detail.

- Bloomberg stated that RES-E reached 45,5 GW on that day, while power demand was 45,8 GW (RES-E thus reaching 'only' 99% of demand). At the same time, according to Bloomberg, 7,7 GW of conventional plants still continued to produce electricity, due to market opportunities for exports and system backup needs. Therefore, the Bloomberg authors expressed doubts concerning the feasibility of a real 100% RES-E share in German power generation "anytime soon".

- The Guardian only mentioned Germany's "100% RES-E" briefly, in the context of an article on the Portuguese power system running on 100% RES-E for 107 consecutive hours in May 2016. However, Portugal features relatively large hydro capacities compared to its overall consumption, which is not the case for Germany. Indeed, according to its latest RES-E progress report to the European Commission, Portugal's renewables reached 27 TWh in 2014, which was 52% of power consumption. Out of that, 12 TWh came from hydro, which means hydro covered 23% of Portuguese power consumption in 2014. For comparison: Germany's share of hydro was only around 11% in 2014 and 2015 (while RES-E in total were 28,6% of demand in 2015, by the way), which may suffice here to illustrate the smaller role hydro power can play in Germany as a renewable backup source of energy.

Thus, already the original stories included (implicitly or explicitly) the need to differentiate, instead of just applauding the "100% RES-E" headlines.
But we might have to add yet some further differentiation: the source which both articles were referring to, prestigious German think tank "Agora Energiewende", had to rectify the announcements. Instead of "giving the impression that the German power consumption had been covered for some hours by 100% RES-E", updated figures some days later showed that the RES-E share was "at around 82% at best" during certain hours of 15 May 2016. In their statement, Agora Energiewende deplored that their figures had sometimes been interpreted in a way that neglected the provisional character of their real-time calculations.

This shows how right news sources like the Guardian and Bloomberg are to pursuit a differentiated approach. After all, the RES-E debate needs sincerity instead of claiming victory too early. Even though that might mean that the perfect solution for a permanent 100% RES-E system still needs to be found... 

Sunday, April 10, 2016

Energie im "Empire State" New York

Von JJB

Während in Deutschland Vorschläge zu einem Kohleausstieg innerhalb der nächsten Jahrzehnte trotz des Pariser Klimavertrages weit davon entfernt sind, politisch mehrheitsfähig zu werden, wurde im amerikanischen Bundesstaat New York im Januar diesen Jahres der Ausstieg aus der Kohleverstromung bereits für 2020 beschlossen, nachdem bereits 2015 ein umfassendes Energiereformprogramm verabschiedet wurde.
 
Muss sich Deutschland im internationalen Wettstreit um den Titel des weltweiten Klimaschutzvorreiters nun also auch mit dem US-Bundesstaat New York messen?


Nun, wie so oft sollte man auch in dieser Frage differenziert vorgehen. So decken beispielsweise Kohlekraftwerke derzeit lediglich 2 bis 4% des New Yorker Stromverbrauchs ab (vgl. nachfolgenden Abschnitt); des Weiteren befinden sich laut UtilityDive nur noch drei Kohlekraftwerke im Bundesstaat New York, von denen eines zum Ende des Jahres ohnehin abgeschaltet werden dürfte. Dies ist kaum zu vergleichen mit dem Anteil von 24%, den allein die Braunkohle am deutschen Stromverbrauch 2015 hatte, wobei hier auch noch der zusätzliche Anteil der Steinkohle von 18% hinzugerechnet werden muss - von der Bedeutung der Arbeitsplätze in der Kohleförderung ganz zu schweigen.
Im Hinblick auf Klimaschutz hat Deutschland also in der Tat noch mehr Fragen im Bezug auf Kohleverstromung zu klären als der Bundesstaat New York. Doch umgekehrt startet New York auch von einer anderen Ausgangslage, aus der es weniger problematisch sein mag, komplett aus der Kohleverstromung auszusteigen. Ein Vergleich beider Standorte nur anhand der Kohle-Frage erscheint wenig sinnvoll, angesichts dieser beiden grundsätzlich verschiedenen Ausgangslagen.
Deshalb lohnt es sich durchaus, ebenfalls einen genaueren Blick zu werfen auf einige weitere Aspekte der Energiepolitik des Bundesstaates New York, der sich und seine internationale Strahlkraft als "Empire State" nun den erneuerbaren Energien zu widmen scheint.


Andrew M. Cuomo, im November 2014 wiedergewählt als Gouverneur des Bundesstaates New York. Quelle: Cuomo



Bestandsaufnahme - Ambitionierte Energieplanung... und Wasserkraft als bisheriger Haupttreiber unter den Erneuerbaren

Der "New York State Energy Plan" aus dem Jahre 2015, im Verbund mit dem Reformprozess "Reforming the Energy Vision (REV)", definiert folgende Ziele für den Bundesstaat New York, die bis 2030 zu erreicht werden sollen:

- Eine Absenkung der CO2-Emissionen in Höhe von 40% im Vergleich zu 1990 (zum Vergleich: der nationale "Clean Power Plan" der USA, aus dem Jahre 2014, verlangt eine CO2-Reduktion in Höhe von 30% bis 2030 - allerdings basierend auf den Werten von 2005 statt 1990).
- Ein Erneuerbaren-Anteil von 50% an der Stromerzeugung.
- Eine Absenkung in Höhe von 23% des Energieverbrauchs in Gebäuden, im Vergleich zu 2012.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesstaaten, unter anderem Connecticut, Pennsylvania und New Jersey, besitzt New York kein Programm, das Stromversorger dazu verpflichtet, einen (über die Jahre kontinuierlich steigenden) Anteil ihrer Stromlieferungen aus erneuerbaren Energien zu decken. Stattdessen werden Betreiber, die Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen und im Großhandelsmarktgebiet des "New York Independent System Operator" (NYISO) veräußern, direkt gefördert von der "New York State Energy Research and Development Authority" (NYSERDA). Hierin ähnelt der Bundesstaat New York also eher dem deutschen Vergütungssystem, während viele andere US-Staaten Zertifikatesysteme verwenden, die meist näher an dem Modell sind, das lange Zeit in Großbritannien vorherrschte.

Laut dem "NYISO" belief sich im Jahr 2015 der Anteil der Erneuerbaren Energien auf 23% der Stromversorgung des Bundesstaats New York. Eine andere offizielle Quelle weist detaillierte Zahlen auf (allerdings ohne das genaue Jahr zu nennen), nämlich einen Anteil der Wasserkraft von 16%, des Weiteren einen Anteil von 2% der Windkraft und ebenfalls 2% aus der Bioenergie-Stromerzeugung sowie 1% für "andere" Quellen. Der Anteil von Solarkraft und Geothermie beläuft sich auf 0%. Dies bedeutet einen Erneuerbaren-Anteil von mindestens 20% (Unterschiede zu den 23% laut NYISO könnten sich ergeben durch Rundung, durch verschiedene Jahreszahlen, oder auch durch unterschiedliche Methodik in der Ermessung der jeweiligen Anteile; siehe auch Fußnote* für weitere Anmerkungen zu Statistiken der Wasserkraft und Bioenergien).

Interessant hierbei ist ebenfalls, dass laut selbiger Quelle die eingangs erwähnte Kohlekraft mit einem Anteil von nur 2% einen sehr geringe Bedeutung hat, während Gas (50%) und Kernkraft (27%) dominieren. Auch laut anderen Informationsquellen ist der Anteil der Kohle in New York gering, etwa 4% laut UtilityDive. Außerdem ist innerhalb der Erneuerbaren nur die Wasserkraft stark ausgeprägt - bei dieser jedoch ist das meiste Potenzial in Industriestaaten oft bereits weitgehend erschlossen worden. Es dürfte also schwierig werden, wollte man sich allein auf die Wasserkraft verlassen, um den Anteil der Erneuerbaren bis 2030 auf 50% zu erhöhen (siehe Fußnote* für weitere Anmerkungen zu Statistiken der Wasserkraft und Bioenergien).

Weitere Wachstumsmöglichkeiten - Wie steht es um die anderen Erneuerbaren?

Laut dem "Energy Plan" hat sich die Solarkraft in New York State zwischen 2010 und 2014 mehr als vervierfacht - jedoch lediglich von 24 MW (2010) auf 106 MW (2014), also immernoch circa 400 mal weniger als die Kapazität zu diesem Zeitpunkt in Deutschland installierte Photovoltaik.
Die amerikanische Solar Energy Industries Association hingegen weist für New York im Jahr 2015 eine PV-Kapazität von 803 MW aus, und spricht von einer Wachstumserwartung von zusätzlichen 3007 MW in den nächsten 5 Jahren. Wenn der Staat New York dementsprechend Ende 2020 tatsächlich rund 4 GW an Photovoltaik installiert haben sollte, wäre dies sicherlich eine beachtliche Wachstumsrate... die sich jedoch, auch aufgrund der niedrigen Sonneneinstrahlung, bis 2030 noch erheblich weiter beschleunigen müsste, um einen maßgeblichen Beitrag zu dem Ziel von 50% Erneuerbaren bis 2030 leisten zu können.

Bezüglich der Windkraft erwähnt der genannte NYISO-Bericht eine heutige Gesamtkapazität von 1,7 GW, und vergleicht diese mit einer "proposed capacity" von 3,7 GW. Falls dieser Vorschlag tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, wäre dies sicherlich immerhin ein erster Schritt. Doch für eine Erhöhung des Erneuerbarenanteils auf 50% bis 2030 ist dies noch vollkommen unzureichend.
Die Offshore-Windkraft wird übrigens im "New York State Energy Plan" ebenfalls erwähnt, allerdings nicht unbedingt im Sinne von konkreten Ausbauzielen, sondern eher als ein Thema, das weiterer Forschung und Diskussion bedarf.

Fazit und Ausblick

Es ist also unklar, ob die ambitionierten Ziele des Bundesstaates New York bis 2030 tatsächlich erreicht werden können.
Dies verweist auf eine ganz entscheidende Frage: welche konkreten Ziele setzt sich die Politik (auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene) - und welche Mittel will sie einsetzen, um diese Ziele zu erreichen? Bei unzureichendem wirtschaftlichen Anreiz werden die meisten Investoren wohl kaum in ausreichendem Maße in die politisch gewünschte Energieinfrastruktur investieren.

Sicherlich spielen auch idealistische Motive eine Rolle, und gewiss kann der technologische Fortschritt die Kosten der gewünschten Energieinfrastruktur senken. Aber es ist dennoch eine ganz zentrale Frage, welche finanziellen Mittel die verschiedenen politischen Instanzen für welche konkreten Ziele aufwenden werden.

Wie effektiv die Antwort des Bundesstaates New York auf diese Frage sein wird, kann an dieser Stelle kaum abschließend geklärt werden. Dennoch soll dieser Themenkomplex in den Blogeinträgen der folgenden Monate weitergehend behandelt werden, um weitere Einsichten in dieses vielschichtige Thema zu erhalten.

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* Fußnote bzgl. Wasserkraft und Bioenergien: laut einer anderen offiziellen Quelle erreicht die Wasserkraft im Staat New York sogar einen Stromversorgungsanteil von fast 30% und Bioenergien einen Anteil von über 10%, so dass der Bundesstaat auf einen Erneuerbaren-Anteil von rund 45% kommen könnte. In der Tat schwankt die Stromerzeugung durch Wasserkraft jährlich, auf Grund von meteorologischen Einflüssen. Der prozentuale Anteil variiert zudem noch dadurch, dass die Stromerzeugung des restlichen Kraftwerkparks, der Stromverbrauch und die Import/Export-Bilanz sich ebenfalls ändern können. Da diese Quelle jedoch nur prozentuale Erneuerbaren-Informationen enthält, ohne GWh-Zahlen, ohne konventionelle Energien und noch dazu ohne Jahresangabe, wird sie in dieser Blogserie nicht als Hauptreferenz verwendet. Zur Beurteilung der Bioenergie-Statistiken siehe auch den späteren Artikel über die Bundesstaaten Connecticut und Pennsylvania.

Monday, March 21, 2016

Energy from the crowd - follow-up

By JJB

Further to the crowd-funding activities mentioned on this blog some months ago, some updates are now available.

Indeed, since the last blog post, a large number of projects were successfully financed on the Bettervest platform.
At first sight, certain projects' calculations may stir some questions, too - for example this project for "solar home systems" in Kenya. In the project description, it is considered that 800 families in Kenya will save in total roughly 80.000 EUR per year in kerosene expenses by replacing kerosene lamps with installations combining a 50W-photovoltaic module, LED lamps and a small battery. While this may be a sound goal in terms of development aid, it may seem surprising at first sight that this project is supposed to allow for an annual interest rate of 6%, for an invested sum of 237.800 EUR, with a full payback to the crowd-investors after 4 years.
As you can tell by doing a quick calculation, interest rate payments to the crowd-investors would amount to more than 36.000 EUR in total. Also, according to further project information, energy cost savings from the concerned 800 families would only be paid to the project during the first 4 years; afterwards, the Kenian families can benefit from their cost savings for their own household budget. Thus, if the estimated annual savings of 80.000 EUR were fully realized, this would generate 320.000 EUR for the project's budget after 4 years. After paying back, as mentioned above, the invested sum of 237.800 EUR plus interest rates of more than 36.000 EUR, this leaves only about 45.000 EUR to cover other expenses. Indeed, apart from administrative costs, these other expenses arise from the fixed costs (per kW and per installation) for the installation of 800 "Solar Home Systems" (45.000 EUR divided by 800 homes equals about 56 EUR per home; without applying any actualization rate on those expenses, for simplification). 
Nevertheless, kindly responding to my questions on this matter, Bettervest underlined that its partner company for this project, "SunTransfer", has already built up a solid network in Africa, and a considerable experience related to the technology and the logistics that shall be deployed. Therefore, such a relatively modest sum is indeed said to suffice for 800 of these small PV/LED/battery installations.
Moreover, the pictures of the project's successes (see below) are truly uplifting and inspiring.

Source: Bettervest
Compared to this, the other recently mentioned online platform for crowd-funded energy investment, Econeers, seems to be much less creative. Indeed, there are currently no investment opportunities available. Also, the list of successfully concluded projects has not evolved since the last blog post some months ago.

Finally, concerning the "solarization" campaign for Greece, a total sum of more than 42.000 USD was collected. Of course, this is only a small amount, compared to the target of 1 million USD. According to the project's news update, the collected money suffices for the installation of solar panels on 7 houses in Rhodes, Greece. Therefore, an "energy revolution", as mentioned by this campaign, cannot be carried out by this project alone, of course. Nevertheless, it means a big improvement for the concerned families, as shown by the pictures and news - and the video - about the implementation of the campaign's objectives.

Furthermore, these campaigns also show a desire for solidarity in structural investments such as energy - on local, European and worldwide scales. However, it seems that even though voluntary small-scale investments can drive certain local improvements, supplementary action is needed in order to face the problems of climate change which, according to many analysts, remain very challenging even if taking into account the national reduction plans submitted for the COP21 deal of December 2015.

Wednesday, February 24, 2016

COP21 agreement - what it says... and what it doesn't.

By JJB

Normally, analyzing the details of climate change negotiations is not part of the core topics of this blog.
However, exceptions exist, and further to the COP21 climate deal of December 2015, such an exception really does seem appropriate, in order to outline a quick summary.

Indeed, this agreement was signed in December by a large majority of countries, representing more than 90% of current carbon emissions. The COP21 deal is a legally binding international treaty, even though it does not contain any explicit sanctions for those who fail to meet their objectives.

These national objectives are called "Intended Nationally Determined Contribution" (INDC) and frequently look out until 2030 (a summary can be found here, detailed INDCs of 161 countries can be found here). Studies show that the outcome of these INDCs in terms of annual CO2 emissions can differ, depending on how you interpret the INDCs and how you modelize the world of the future (see comparison of studies in the graph below).

Source: WRI




However, none of these mentioned studies come to the conclusion that the current INDCs would be sufficient to limit global warming to a maximum of +2°C :
Source: WRI

While the INDCs submitted 2015 only allow for a mere stabilization of current emission levels (at around 50 Gt CO2 per year, see first graph above), a rather quick reduction of emission levels, to 40 Gt CO2 by 2030, would actually be needed, according to an official UNEP study: 


Source: UNEP

This shows that the COP21 agreement is a compromise of various interests. The question will now be as to if/how it will be implemented, if/how to organize the mentioned additional effort, and which costs are implicated.